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Auswirkungen der morgendlichen Schulstartzeit auf Schlaf und Gesundheit von Jugendlichen

Wann sollte die Schule aus schlafwissenschaftlicher Sicht morgens für Jugendliche beginnen?

Die biologische Schlafregulation wird über die Jugend hinweg immer später, sodass Jugendliche immer später erst einschlafen. Weil die Schule früh am Morgen beginnt, können sie die späteren Einschlafzeiten aber nicht mit entsprechend späteren Aufstehzeiten kompensieren. Daher bauen die meisten Jugendlichen über die Schulwoche hinweg einen immer ausgeprägteren Schlafmangel auf. Das ist problematisch, weil der Schlaf eng mit der psychischen und physischen Gesundheit, den kognitiven Fähigkeiten sowie der Hirnentwicklung zusammenhängt. Internationale Studien haben gezeigt, dass sich spätere Schulstartzeiten sehr positiv auswirken: Die Schülerinnen und Schüler stehen morgens später auf, gehen aber weiterhin um die gleiche Zeit ins Bett und schlafen dadurch insgesamt mehr, es geht ihnen besser und sie zeigen bessere Schulleistungen. Wir untersuchen in verschiedenen Projekten, wie sich Schulstartzeiten am Morgen bei Jugendlichen auswirken und gestalten lassen. Die Projekte umfassen sowohl Grundlagenforschung als auch wissenschaftliche Begleitung von Schulentwicklungsprojekten im Feld.

Abgeschlossene Projekte:

  • Schulstartzeitpräferenz von Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen: In Onlinebefragungen an 17 Gymnasien im Kanton Zürich hat sich gezeigt, dass sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrpersonen einen späteren Schulstart am Morgen begrüssen würden. Die Schülerinnen und Schüler berichteten eine präferierte Schulstartzeit um 08:38 Uhr, was 55 Minuten Verschiebung von der tatsächlichen Schulstartzeit entsprach. Die präferierte Schulstartzeit der Lehrpersonen war um 08:00 Uhr. Je problematischer, d.h. schlechter zu frühen Schulstartzeiten passend, das eigene Schlafverhalten, desto eher wurde eine Präferenz für spätere Schulstartzeiten berichtet. Mehr Angaben finden Sie in unseren Publikationen: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jsr.13401 & https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jsr.13534
  • Auswirkungen der pandemischen Schulschliessungen auf Schlaf und Befinden von Jugendlichen: Während der Covid-19-Pandemie mussten die Schulen temporär schliessen und die Schülerinnen und Schüler konnten nur noch im Homeschooling unterrichtet werden. Dadurch fiel für die Jugendlichen die Anreisezeit weg und häufig hatten sie auch mehr Flexibilität in der Gestaltung ihres Schultages. Wir haben die Befragungen an den gleichen Gymnasien während der pandemischen Schulschliessungen (2020) sowie ein Jahr später (2021), als die Schulen wieder offen waren, die meisten pandemischen Restriktionen aber noch galten, wiederholt. Es hat sich gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler während der Schulschliessungen an den Schultagen am Morgen deutlich später aufgestanden sind, ihre Bettzeiten blieben aber etwa gleich und so haben sie über eine Stunde mehr geschlafen. Zudem berichteten die Schülerinnen und Schüler eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität und weniger Substanzkonsum. Nach den Schulschliessungen verschwanden diese Effekte wieder und die Belastung der Jugendlichen durch die Pandemie wurde (noch) deutlicher sichtbar. Weitere Angaben finden Sie in unseren Publikationen: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2787630 & https://www.mdpi.com/1660-4601/19/9/5078

Laufende Projekte:

  • Effekte von flexiblen Schulstartzeiten am Morgen: Die Oberstufe Gossau in St. Gallen hat ein neues Schulmodell mit flexiblen Startzeiten am Morgen eingeführt. Die Jugendlichen können neu wählen, ob sie schon in die erste Stunde am Morgen um 7:20 Uhr kommen oder ihren Schultag erst später, frühestens um 8:30 Uhr, starten möchten. Wir haben untersucht, wie sich das auf Schlaf, Befinden und Schulleistungen auswirkt. Ein Jahr nach Einführung des neuen Modells hat sich gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler an den meisten Schultagen den späteren Schulstart wählten, später aufstehen und insgesamt 45 Minuten mehr schlafen. Zudem waren Einschlafprobleme seltener, weniger Jugendliche hatten klinisch relevant tiefe Werte in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und die Ergebnisse in den Stellwerktests waren besser. Mehr Details finden Sie in unserer Publikation: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1054139X26000133 oder auch im Tagesschaubeitrag zu diesem Thema: https://www.srf.ch/news/schweiz/ausgeschlafen-lernen-flexibler-schulstart-verbessert-schlaf-und-leistungenUm die Langzeiteffekte untersuchen zu können, haben wir die Befragung zwei Jahre nach Einführung des flexiblen Modells erneut durchgeführt. Diese werten wir aktuell aus. 

Forschungsgruppe

Team Sleep and School:
Dr. Joëlle Albrecht,
Prof. Dr. Reto Huber
Prof. Dr. Oskar Jenni
Ehemalige Projektmitarbeitende: PD Dr. Helene Werner, Alessa Risch, Anika Sander, Daniel Janisch, Mei Ling Yaw, Natacha Widmer, Noa Rieger

Institution:
Abteilung Entwicklungspädiatrie, Universitäts-Kinderspital Zürich, Universität Zürich

Wir suchen immer wieder Praktikant:innen sowie Bachelor- und Masterstudierende. Wenn du dich für unsere Projekte interessierst, melde dich gerne bei uns unter joelle.albrecht@kispi.uzh.ch.