Gedächtniskonsolidierung im Schlaf bei Adoleszenten mit einer Angststörung

Ausgehend von der späten Reifung des präfrontalen Kortex während der Adoleszenz, stellt diese Entwicklungsphase vermutlich eine Zeit erhöhter Vulnerabilität dar, in der psychiatrische Erkrankungen, die mit präfrontalen Veränderungen einhergehen, ihren Ursprung haben können. Personen mit einer Angststörung zeigen neben präfrontalen Veränderungen häufig Schlafstörungen und veränderte Gedächtnisbildungsprozesse (Alfano & Gamble, Child and Youth Care Forum 2009; Gregory et al., Sleep 2009). Charakteristisch für Angstpatienten ist z.b. ein deutlicher Bias für das Erinnern von negativen, autobiografischen Ereignissen während positive Erlebnisse verstärkt vergessen werden (Coles and Heimberg, Clinical Psychology Review 2002). Die neuronalen Mechanismen die der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Angststörung in der frühen Entwicklung zugrunde liegen, sind noch weitestgehend unbekannt.

Schlaf - und hierbei vor allem die langsamen Wellen im Tiefschlaf (unter 4.5 Hz) - konnten wiederholt mit neuronaler Plastizität in Zusammenhang gebracht werden (Kurth et al., Neuroimage 2012; Huber et al., Nature 2004; Marshall et al., Nature 2006). Es konnte zum Beispiel wiederholt gezeigt werden, dass Schlaf einen direkten Einfluss auf das Speichern und Verarbeiten von emotionalen Ereignissen hat (Wagner et al., Learning & Memory 2001). Ein möglicher Mechanismus der der schlafabhängigen Speicherung von Gedächtnisinhalten zugrunde liegt, ist die Reaktivierung dieser Inhalte im anschliessenden Schlaf. Darüber hinaus wird vermutet, dass die langsam-wellige EEG-Aktivität im Schlaf nicht nur ein Marker für die Reifung von Hirnregionen ist, sondern möglicherweise aktiv am Prozess der kortikalen Reifung beteiligt sind (Kurth et al., Neuroimage 2012; Campbell & Feinberg, Proc.Natl.Acad.Sci.U.S.A 2009). Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in der Studie den Zusammenhang zwischen Schlaf, der Reifung des präfrontalen Kortex und der Speicherung emotionaler Inhalte bei gesunden und ängstlichen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Darüber hinaus wird getestet, ob die Speicherung positiver emotionaler Gedächtnisinhalte durch die Verstärkung von Reaktivierungsprozessen im Schlaf moduliert werden kann.