Forschungsinteressen

Der Fokus unserer Forschung liegt auf der Untersuchung verschiedener Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter mittels der Kombination modernster Forschungsmethoden aus den Bereichen neurophysiologischer Bildgebung und Neuropsychologie sowie der Biologie und Medizin. Unser multimodaler Ansatz hat zum Ziel ein möglichst vollständiges und differenziertes Bild der Störungen multikausaler Natur zu erhalten.

Primär untersuchen wir Struktur und Funktion von Hirnnetzwerken pädiatrischer Patienten im Ruhezustand sowie während kognitiver Aufgaben (z.B. Entscheidungs-, Inhibitions-, Kontroll- und Belohnungsprozesse) und vergleichen diese Netzwerke mit jenen gesunder Probanden. Die Funktion dieser Strukturen kann mit nicht-invasiven, bildgebenden Methoden wie der Hirnstrommessung (Elektroenzephalographie - EEG) oder der Magnetresonanztomographie (MRT) erfasst werden. Die Hirnstrommessungen liefern dabei Auskunft über die zeitliche Abfolge von Prozessen im Hirn, während die MRT Messungen einen räumlich detaillierten Einblick in die involvierten Hirnstrukturen erlauben.

Des Weiteren dienen Verhaltenstests (neuropsychologische Masse) dazu, die betroffenen Funktionen bestmöglich zu beschreiben und mit Abweichungen in Hirnaktivierung und Hirnstruktur in Verbindung zu bringen. Die Bestimmung von spezifischen Biomarkern in den Bereichen Bildgebung, Neuropsychologie und Genetik soll in Zukunft die Prävention, Diagnostik und Behandlung psychiatrischer Störungen im Kindes- und Jugendalter verbessern.

Affektive Störungen im Kindes- und Jugendalter

Depressionen (engl. Major Depressive Disorders «MDD») treten bereits bei 1-3% präpubertärer Kinder und 3-6% Jugendlicher auf. Mit der Pubertät kommt es zu einem rasanten Anstieg der Häufigkeit, wobei Mädchen häufiger als Jungs betroffen sind. Besonders bei männlichen Jugendlichen kann sich eine Depression auch durch Gereiztheit, Verweigerungshaltung und sozialen Rückzug zeigen. Erkrankte zeigen dabei typische Symptome wie eine gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, eine Verminderung des Antriebs und der Aktivität sowie das Gefühl von Erschöpfung oder Müdigkeit. Die Krankheit hat Auswirkungen auf soziale Beziehungen, die Schulleistung und geht ausserdem mit einem höheren Risiko von Drogenmissbrauch einher. Viele Betroffene fühlen sich als Last für ihr Umfeld und haben Suizidgedanken. Jedes Jahr begehen in der Schweiz etwa 30-50 Minderjährige Suizid, ein grosser Teil davon leidet unter Depressionen.

Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten das Verständnis von neurobiologischen Mechanismen im Zusammenhang mit Depressionen und Suizidalität verbessert hat, sind Ursachen und Entstehung nicht vollständig geklärt. Dies hat zur Folge, dass bis heute nur wenige und oft ineffektive Behandlungen für Patienten existieren. Das Ziel unserer Forschung ist es mittels bildgebender, neuropsychologischer und biologischer Methoden zu erfassen, wie sich die Funktion und Struktur des Gehirns im Krankheitsverlauf einer Depression im Kindes- und Jugendalter verändert und daraus Implikationen auf Entstehung, Prävention und Behandlungsmöglichkeiten abzuleiten.

Lesenlernen, Training, Vorhersage und Lese-Rechtschreibstörung (LRS, Legasthenie, Dyslexie)

Gute Lesefertigkeiten sind wichtig für eine erfolgreiche schulische und berufliche Karriere. Zwischen 5-10% der Kinder zeigen jedoch unerwartet grosse Schwierigkeiten beim Lesenlernen. Bei einem Grossteil dieser Kinder sind Familienangehörige von einer Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie, Dyslexie) betroffen. Kinder mit einer Legasthenie durchlaufen häufig eine schwierige Schulzeit und entwickeln infolge ihrer negativen Schulerfahrungen internalisierende oder psychosomatische Störungen. Eine Früherkennung von Kindern, die Leseprobleme entwickeln ist zentral für eine möglichst effektive und frühzeitige Unterstützung und Förderung. Noch ist die Möglichkeit einer Vorhersage mit reinen Verhaltensmassen im Vorschulalter beschränkt.

Ein Hauptinteresse ist es, die neuronalen Grundlagen der normalen und gestörten Leseentwicklung besser zu verstehen. Bildgebende Methoden werden benutzt um sowohl räumliche als auch zeitliche Veränderungen im Verlauf des Lernprozesses und im Vergleich zwischen normalen und schlecht lesenden Kindern zu erfassen. Solche Ergebnisse können helfen Trainingsprogramme für legasthene Kinder zu verbessern und gezielter einzusetzen. Die Forschung im Bereich Lesen, Leseerwerb und Legasthenie verfolgt hauptsächlich drei Ziele:

  1. Verbessertes Verständnis der Leseentwicklung im Hirn
  2. Verbesserte Vorhersage der Leseentwicklung mit Hilfe von Massen aus Bildgebung und Verhalten im Vorschulalter
  3. Entwicklung und Evaluation von Trainingsprogrammen basierend auf
    neurowissenschaftlichen Erkenntnissen für Kinder mit Problemen beim
    Leseerwerb

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Zwangsstörung (OCD)

Aufmerksamkeits- Hyperaktivitäts- Störungen (ADHS) Zwangsstörungen (engl. obsessive compulsive disorder «OCD») gehören zu den häufigsten psychiatrischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. ADHS ist tritt mit einer Prävalenz von 5-7% in der Bevölkerung auf. Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind die Kernsymptome von ADHS. Die Zwangsstörung tritt bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Prävalenz von ca. 1-3% auf. Im Kindes- und Jugendalter manifestieren sich die Symptome typischerweise im Alter von ca. 10 Jahren, während Erwachsene häufig einen Krankheitsbeginn mit ca. 21 Jahren zeigen.

Bisherige Befunde aus der Bildgebung sprechen für Defizite in spezifischen und teilweise überlappenden Bereichen von Netzwerken im Hirn bei beiden Störungsbildern. Unser Ziel ist es die Diagnostik von ADHS und OCD mittels unseren multimodalen Ansatzes zu verbessern.