KOMPASS

Kontaktperson

Dr. phil. Bettina Jenny
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Universität Zürich
bettina.jenny@pukzh.ch
 
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Therapeutische Zielgruppe

Die Autismus-Spektrum-Störungen auf hohem Funktionsniveau, zu denen das Asperger-Syndrom, der Atypische Autismus und der High-Functioning-Autismus gehören, sind den tief greifenden Entwicklungsstörungen zuzurechnen. Sie betreffen somit viele Aspekte der Persönlichkeit und beeinflussen entsprechend fast alle Lebensbereiche. Im Zentrum stehen die Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion und der wechselseitigen Kommunikation. Diese Menschen wünschen sich je nach Lebensphase und Umständen durchaus Kontakt, doch es gelingt ihnen nicht, ihn so aufzubauen, dass er über eine längere Zeit für beide Interaktionspartner befriedigend verläuft.

Evaluation

KOMPASS wird seit April 2004 durchgeführt und wurde seither auf die Wirksamkeit untersucht. Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) fühlen sich wegen ihrer erlebten Andersartigkeit und ihrer besonderen Bedürfnisse häufig nicht akzeptiert und stossen manchmal auch auf Ablehnung. In diesem Alter stehen wichtige Entwicklungsaufgaben an, deren Bewältigung ihnen aufgrund fehlender sozialer Kompetenzen besonders schwerfällt. Rao et al. (2008) fordern, dass für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ASS manualisierte Programme entwickelt werden, die in Einrichtungen der Grundversorgung durchgeführt werden können. Die KOMPASS-Gruppentherapie (Jenny, Goetschel, Schneebeli, Köpfli, & Walitza, 2019, Jenny, Goetschel, Schneebeli, Rossinelli-Isenschmid, & Steinhausen, 2021 und Jenny, Goetschel, Steinhausen, 2011) wurde seit 2004 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) als Behandlungsform für Jugendlichen und junge Erwachsene im Alter von ca. 12-25 Jahren mit ASS auf hohem Funktionsniveau entwickelt und in einem Praxishandbuch manualisiert. Das KOMPASS-Training in zwei Stufen (Basistraining und Fortsetzungstraining) soll als Orientierungshilfe verstanden werden, die darauf abzielt, soziale Handlungskompetenzen der Teilnehmer*innen zu erweitern. Die Ergebnisse der Evaluation beider Gruppentrainings zeigen sowohl in der Basisgruppe (N=108) als auch in der Fortsetzungsgruppe (N=52) eine signifikante Abnahme der autistischen Symptomatik und allgemeinen Psychopathologie sowie eine signifikante Zunahme der sozialen Kompetenzen. Gemessen wurde das Outcome anhand von Fragebogensets, die von den Teilnehmer*innen, deren Eltern, Ausbildner*innen und Therapeut*innen, zu mehreren Zeitpunkten ausgefüllt wurden. Im Vergleich zu einer Warte- bzw. Kontrollgruppe mit (N=65 und N=62) zeigten die KOMPASS-Teilnehmer*innen insbesondere eine Zunahme in ihren Sozialkompetenzen. Die Nachuntersuchung ein Jahr nach Gruppenende zeigt, dass die Veränderungen stabil bleiben. Nach einer Kurzvorstellung des Manuals und der Evaluationsergebnisse schliesst sich ein Diskussionsteil an.

Die Betroffenen und ihr Umfeld geben an, dass die ehemaligen KOMPASS-Teilnehmer*innen mehr auf Andere zu gehen, sich für sie interessieren und als höflicher wahrgenommen würden. Sie führten mehr und vielseitigere Gespräche und hörten besser zu. Ihre Körpersprache wirke zugewandter und interessierter. Viele bemühten sich darum, das Gegenüber zu verstehen und seien sich der eigenen Wirkung auf Andere bewusster.